Waldkindergarten
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Waldkindergärten sind längst keine Raritäten mehr, sondern haben sich mittlerweile deutschlandweit etablieren können. Dennoch sind sie ähnlich wie Waldorfschulen mit einer Menge Vorurteilen behaftet. Viele Eltern stellen sich Kinder vor, die bei Wind und Wetter durch den Wald laufen müssen und vor Kälte zittern.

Dabei ist das Konzept, welches ursprünglich aus Skandinavien kommt, der Waldkindergärten – richtig durchgeführt – ein Gewinn für die Entwicklung eines Kindes. Selbstvertrauen, Eigenständigkeit und Motivation werden gefördert. Der Entdeckergeist der Kinder wird geweckt und obendrein fördert die Bewegung an der frischen Luft die Gesundheit. 

Sind die Kinder im Waldkindergarten bei jedem Wetter draußen unterwegs?

Bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung. Tatsächlich sind die Kinder in einem Waldkindergarten bei Wind und Wetter im Freien unterwegs und essen auch unter freiem Himmel. Selbst bei Matsch und Frost gibt es in der Natur allerhand zu entdecken. Viel Bewegung sorgt dafür, dass die Kinder erst gar nicht frieren.

Für den Fall, dass es stürmt und tagelang regnet, haben Waldkindergärten beheizte Wohnwagen oder Räume zur Verfügung stehen, in denen sich die Kinder aufwärmen können. Bastel- und Malarbeiten kommen auch in Waldkindergärten nicht zu kurz, immer wieder wird daher eine kurze Verschnaufpause im Warmen gemacht. 

Was brauchen Kinder, die einen Waldkindergarten besuchen?

Waldkindergarten Besuch
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In erster Linie brauchen die Kinder Kleidung, die dem Wetter angepasst ist. Hier bietet sich zu jeder Jahreszeit das Zwiebelsystem an, bei dem mehrere Schichten an Kleidung miteinander kombiniert werden.

Bei dem Aufenthalt im Freien ist es normal, dass die Kinder sich häufig und stellenweise sogar stark schmutzig machen. Kleidung zum Wechseln sollte den Erziehern entsprechend zur Verfügung stehen und im Kindergarten deponiert werden.

Zum Schutz vor Zecken sollten Kinder im Sommer lange Oberteile und Hosen tragen, die in die Socken gesteckt werden können. Geeignete beziehungsweise wasserdichte Schuhe, die sich für den Aufenthalt im Freien eignen, sind empfehlenswert.

Beeinflusst der Waldkindergarten die Schulreife negativ?

Viele Eltern fürchten, dass ihr Kind bei dem Übergang vom Waldkindergarten zur Schule Probleme haben könnte. Schließlich muss es nun über einen längeren Zeitraum still sitzen und sich länger konzentrieren können. Eine Studie der Universität Heidelberg konnte aufzeigen, dass Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, zu Beginn deutlich besser in der Schule zurechtkommen als ihre Altersgenossen. In den Bereichen Sozialverhalten, Konzentration, Mitarbeit im Unterricht und Motivation sind Kinder aus einem Waldkindergarten Gleichaltrigen im Durchschnitt überlegen.

Defizite haben Kinder aus einem Waldkindergarten häufig in den Bereichen Feinmotorik und Schreiben. Da dieser Umstand bekannt ist, wird neben Besuchen in der Natur, gezielt Wert auf Bastel- und Malarbeiten gelegt, damit die Kinder in allen Bereichen gefördert werden.

Ist der Aufenthalt im Wald gefährlich?

Waldkindergarten gefährlich
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Das Verletzungsrisiko ist im Wald nicht höher als es auf Spielplätzen im Kindergarten der Fall ist. Die Kinder lernen mit der Zeit, wie sie mit potentiellen Gefahren im Wald umgehen können.Sollte es doch zu einer Verletzung kommen, tragen die Erzieher eine Erste-Hilfe-Box mit sich und können im Notfall mit dem Handy Hilfe rufen.

Der Vorteil des Waldkindergarten ist es, dass die Kinder mit Gefahren wie Zecken, dem Fuchsbandwurm oder Felsen und Ästen lernen umzugehen.

Eltern wird dennoch dazu geraten, ihre Kinder nach dem Kindergarten auf Zecken abzusuchen und bei möglichen Symptomen, die auf FSME oder Borreliose hindeuten, den Arzt über den ständigen Aufenthalt im Freien zu informieren. Sinnvoll und angeraten ist ein ausreichender Impfschutz.

Werden Kinder in einem Waldkindergarten häufiger krank?

Der Aufenthalt und die Bewegung im Freien fördern das Immunsystem. Kinder aus einem Waldkindergarten sind im Vergleich mit Kindern aus einem herkömmlichen Kindergarten weniger häufig krank. Allerdings schützt selbst ein Waldkindergarten ein Kind nicht davor, krank zu werden.

Wichtig ist es, dass die Kinder ordentliches Schuhwerk haben und keine kalten Füße bekommen. Die Möglichkeit sich regelmäßig aufzuwärmen und ein ausreichendes Maß an Bewegung verhindert im Winter, dass die Kinder auskühlen können.

Wo können die Kinder auf die Toilette gehen?

Waldkindergarten Winter
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Die meisten Waldkindergärten haben in ihren Räumlichkeiten eine Toilette, auf die die Kinder gehen können. Oft gibt es außerhalb Komposttoiletten, auf die die Kinder gehen können. Muss ein Kind unterwegs im Wald aufs Klo, haben die Erzieher in der Regel einen kleinen Spaten mit, sodass die Notdurft gleich im Waldboden vergraben werden kann. Was zunächst befremdlich klingt, fördert die Selbstständigkeit der Kinder, die schnell lernen sich an- und auszuziehen. 

Für welche Kinder ist ein Waldkindergarten geeignet und wie groß sind die Gruppen?

Üblicherweise sind in einer Gruppe 15 bis 20 Kinder, um die sich zwei Erzieher kümmern. Einige Bundesländer erlauben auch Gruppen bis zu einer Größe von 22 Kindern. Aufgrund des Konzepts des Waldkindergartens sind die Kinder zwischen drei und sechs Jahre alt. Einige Waldkindergärten bieten auch bereits die Betreuung ab zwei Jahren an.

Die Zeiten von Waldkindergärten umfassen in der Regel keine Nachmittagsbetreuung. Interessierte Eltern sollten sich bei dem ausgesuchten Kindergarten erkundigen, wie das Betreuungsangebot im Speziellen gestaltet ist. Möglicherweise ist der Waldkindergarten einem normalen Kindergarten angeschlossen und das Kind kann nachmittags dort in die Betreuung wechseln.

Welche Qualifizierungen haben die Erzieher?

Waldkindergarten basteln
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Die Erzieher in einem Waldkindergarten sind wie Erzieher in normalen Kindergärten staatlich qualifiziert. Die einzelnen Länder befürworten es in ihren Bildungsplänen, Kinder möglichst frühzeitig an die Natur heranzuführen.

Sie besitzen häufig eine Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte, die speziell auf das pädagogische Arbeiten im Wald abzielt. Diese Weiterbildung erstreckt sich über mehrere Monate und schult die Erzieher auf die Arbeit im Kindergarten im Wald. Diese sind entsprechend auf die Gefahren im Wald vorbereitet und lernen, wie sie einen produktiven Tag im Wald gemeinsam mit den Kindern gestalten können.


Bildquelle Shutterstock

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